Das Bedürfnis ist eine Äußerung (Verlangen) eines Menschen nach Erfüllung einer Bedingung, die gegeben sein muss, damit er als Mensch leben kann. Die Gesamtheit dieser Bedingungen sind die Bedürfnisse, die ein Mensch äußert, um eine bestimmte Lebensqualität zu sichern oder, im strengen Sinne, um überleben zu können.

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Lebensfunktionen sind ein Bedürfnis

Die Erfüllung der Grund-Bedürfnisse (Bedürfnisse 1. Ordnung) sichert die Lebensfunktionen eines Menschen.

Hierzu gehören:

Kleidung,Ruhe (Schlaf, Reproduktion, Erholung),Raum (Territorium, Unterkunft),Partnerschaft (Sexualität, Fortpflanzung).

Die Bedürfnisse 2. Und folgender Ordnung (abgeleitete Bedürfnisse) sind allein typisch für den Menschen. Sie sind in der Menschwerdung ausgeprägt worden und haben sich in der Soziogenese zunehmend individualisiert.

Jeweils Teilen der Menschheit ist es z. B.

ein Bedürfnis zu arbeiten,Bücher und Zeitungen zu lesen,ins Kino zu gehen,zu tanzen,sich zu schmücken,ein Instrument zu spielen,sich mit anderen zu streiten,etwas zu stehlen,etwas zu sammeln,anderen zu helfen,zu beten,Sport zu treiben.

Individualisierung eines Bedürfnisses bedeutet, dass dieses Bedürfnis nicht allgemein, sondern in einer ganz bestimmten Variante geäußert wird und auf ganz bestimmte Weise befriedigt werden soll. Ein Mensch äußert nicht nur: Ich möchte arbeiten, sondern: Ich möchte in meinem Beruf tätig sein, eine interessante (leichte, ertragreiche, saubere) Arbeit verrichten, voll oder verkürzt arbeiten, nur tagsüber (nur nachts, in Schichten) tätig sein.

Bedürfnisse haben nicht nur Menschen

Nicht nur Menschen, auch die anderen Lebewesen benötigen zum Leben und Überleben bestimmte Bedingungen.

Dazu zählen z. B. Die Standortfaktoren bei grünen Pflanzen:

Licht,Kohlenstoffdioxid,Temperatur,Boden (Bodenart, Gare, Bodenreaktion),Raum,Höhenstufe,geografische Region,Medien zur Fortpflanzung (Wasser, Wind, Insekten).

Bei Tieren sind es Bedingungen des Lebensraumes, z. B.

Nahrung,Wasser,Territorium,Temperatur,Partner,Schutz,Feinde.

Die Gesamtheit dieser Bedingungen sind die Ansprüche eines Lebewesens. Die Ansprüche werden durch das Verhalten geäußert: Eine bestimmte Pflanze wächst nur dort, wo sie die Bedingungen des Standortes zumindest minimal erfüllt vorfindet. Sie geht zu Grunde, wenn sich die ursprünglichen Standortbedingungen in ihrem Lebensverlauf so ändern, dass ihre Ansprüche nicht mehr erfüllbar sind. Ein Bussardpärchen verlässt sein Territorium, wenn es dort mehrfach beim Brüten gestört wird.

Die Begriffe Bedürfnis und Anspruch drücken unterschiedliche Qualitäten der Lebensäußerung aus. Zwar stimmen die Grund-Bedürfnisse bei allen Lebewesen zum großen Teil überein, aber die Art ihrer Äußerung und Befriedigung unterscheidet sich beträchtlich. Nehmen wir z. B. Das Bedürfnis/den Anspruch nach/auf Nahrung und seine Befriedigung. Der innere Antrieb hierfür heißt Hunger. Tiere zeigen in dieser Situation ein charakteristisches Verhaltensmuster. Zunächst suchen sie ungerichtet nach geeigneter Nahrung. Ist solche in der Nähe, beginnt das gerichtete Suchen (Appetenzverhalten). Wenn die Nahrung (Beute) aufgefunden ist, wird sie – falls erforderlich – gefangen, getötet und danach sofort gefressen. Nur wenige Tiere sind in der Lage, sich Vorräte anzulegen.

Wenn Menschen Hunger haben, zeigen sie kein starres Verhaltensmuster, sondern verhalten sich flexibel. Zunächst kann jeder Mensch seinen Hunger in Grenzen beherrschen, d. H. Er kann selbst bei Nahrungsangebot willentlich auf dieses verzichten, z. B. Beim Hungerstreik. Das Stillen des Hungers ist auf vielerlei Art möglich: In der Natur Nahrung suchen, Nahrungsmittel kaufen, erbetteln oder stehlen. Die Nahrung kann roh oder zubereitet, hastig oder genussvoll verzehrt werden. Menschen sind in der Lage, bewusst vorausschauend Vorräte anzulegen und Nahrungsmittel zu konservieren. In eine Bedürfnisbefriedigung gehen immer Elemente menschlicher Kultur ein.

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Unterschiedliche Sichtweisen auf Bedürfnisse

Ein Bedürfnis entsteht in der Regel nicht spontan, sondern abhängig vom gesellschaftlichen Umfeld. Es gibt einen Zusammenhang von Bedürfnisentstehung, dem „Wecken“ eines Bedürfnisses und der Bedürfnisbefriedigung. Neue Bedürfnisse wecken den Forscherdrang des Menschen, diese zu befriedigen. Aber nicht alle Bedürfnisse können befriedigt werden; hierfür gibt es gesellschaftliche, ökonomische und kulturelle Grenzen. Würden wir z. B. Davon ausgehen, dass alle Menschen die hohen Bedürfnisse in einer Industriegesellschaft erfüllt haben möchten, so wäre die Menschheit bereits ausgestorben. (Als Beispiel diene die Überlegung: Wenn alle Chinesen tự động fahren wollten ...)

In der Befriedigung selbst der Grund-Bedürfnisse gibt es auf der Erde gewaltige Unterschiede. Wir finden einerseits Überfluss-Gesellschaften vor, die z. B. Ein solch reichliches Nahrungsangebot unterbreiten, dass ein beträchtlicher Teil ihrer Mitglieder fehlernährt und übergewichtig ist. Andererseits gibt es Mangelgesellschaften, die ihren Mitgliedern nicht einmal die physiologisch notwendige Mindestmenge an Nahrung anbieten können, so dass als Folge Mangel-, Unterernährung, Mangelkrankheiten und Hungertod auftreten.

Autor: Jan BretschneiderQuelle: Erstveröffentlichung im Lexikon freien Denkens, Angelika Lenz Verlag 2000