Foto: Alex Chan Tsz Yuk/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa Ukraine, Kiew: Ein völlig zerstörter russischer T-72-Kampfpanzer steht in der Oblast Kiew.

Die russischen Truppen erlitten bei der Schlacht um Kiew eine erhebliche Niederlage. Doch wie kam es überhaupt dazu? Zwei Kriegsforscher machten vier Debakel aus, die Putins Soldaten erlebten. Sie hängen alle mit schlechter Vorbereitung zusammen.

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Am 24. Februar 2022 überfiel Russland die Ukraine. Das wichtigste Ziel der Invasion: die Hauptstadt Kiew. Nur wenige Tage sollte die Eroberung dauern. Doch die Russen stießen auf erbitterten Widerstand. Am Ende scheiterten sie.

Die Kriegsforscher Jack Watling und Nick Reynolds vom Royal United Services Institute (RUSI), einer britischen Denkfabrik für Verteidigung, haben analysiert, wie es dazu kommen konnte, dass die Ukrainer die Russen rund um Kiew in die Knie zwangen.


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Debakel Nummer 1: Der Kampf um den Flughafen Hostomel

Am frühen Morgen des 24. Februar kam es zu massiven Störungen des ukrainischen Luftverteidigungsradars. Als die Luftverteidigung den Kampf aufnehmen wollte, geriet sie unter Beschuss. Die ersten russischen Marschflugkörper und ballistischen Raketen verursachten laut einem ukrainischen Spezialisten für elektronische Kriegsführung genug Störungen, um die ukrainische Verteidigung zu durchdringen. Das Ziel: der Antonov International Airport in Hostomel nordwestlich von Kiew. Russische Fallschirmjäger sollten den Flughafen erobern. Von dort aus sollten Bodentruppen auf Kiew ziehen können.


Drei Tage vor dem Angriff hatten die russischen Luftlandeeinheiten ihren Einsatzplan präsentiert bekommen. In den folgenden Tagen sprachen sie über ihre gewagte Operation und das Hauptziel Hostomel. Als sie landeten, sahen sie sich einem direkten Gegenangriff der ukrainischen Artillerie ausgesetzt. Russland konnte den Flughafen zwar zeitweise unter großen Verlusten erobern. Es gelang Putins Truppen jedoch nicht, ihn als Landeplatz zu nutzen. Der Ukraine gelang es schlussendlich den Airport zurückzuerobern.

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Debakel Nummer 2: Die orientierungslosen Spezialeinheiten

Gleichzeitig mit dem Angriff auf den Flughafen Hostomel sollten Truppen von Belarus aus nachrücken und den Sturm auf Kiew unterstützen. Sie sollten auf zwei Routen nach Süden ziehen, durch stark bewaldetes, teils sumpfiges Gebiet. Zwei russische Spezialtruppen spielten dabei eine wichtige Rolle: die Russian Motor Rifle und die Rosgvardia, die russische Nationalgarde.

Die Spezialeinheiten bekamen ihren Auftrag erst 24 Stunden vor Kriegsbeginn. Demzufolge kam es zu großen Problemen bei der Koordination mit den russischen Bodentruppen. Die Folge: Weder bewegten sie sich wie gewohnt in hintereinander folgenden Staffeln vorwärts, noch hatten sie genug Artillerieschutz. Häufig bewegten sich die Truppen ganz ohne Wissen darüber, was auf sie zukommen würde.

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AFP via Getty Images Mitglieder der Nationalgarde Rosgvardia bei einer Parade in Moskau

Spezialeinheiten gerieten zu weit nach vorne und wurden empfindlich zerstört

Besonders die Rosgvardia, die normalerweise die Truppen nach hinten abschirmt, landete teilweise kilometerweit vor den eigenen Soldaten. Zwar erreichten sie binnen 48 Stunden die Vororte von Kiew. Doch sie waren den Bodentruppen meilenweit voraus. So wurden die Spezialeinheiten wegen mangelnder Planung isoliert und zu beträchtlichem Teil zerstört.

Insgesamt nennen die Kriegsforscher die mangelnde Vorbereitungszeit als einen wesentlichen Misserfolgsfaktor für die russischen Truppen. Diese hätten oft kurz vorher noch nicht gewusst, dass sie in den Krieg ziehen würden. Und seien dort dann beim ersten Widerstand zerbrochen.

Debakel Nummer 3: Der Marsch von Belarus nach Kiew

Wie bereits erwähnt, schoben sich die Russen von Norden kommend auf zwei Hauptachsen durch die Region nördlich von Kiew. Viele erinnern sich an den dutzende Kilometer langen Militärkonvoi, der auf Bildern zu sehen war. Doch dieser Konvoi geriet alsbald ins Stocken. Eingeschränkt durch Wald- und Sumpfgebiete blieben den Russen nur wenige Straßen, die schnell verstopft waren.

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MAXAR Satellitenbild zeigt: Russischer Konvoi im Norden von Kiew schon über 27 Kilometer lang

Das lag auch daran, dass die Ukrainer einen Wissensvorsprung besaßen. Die Russen wussten häufig nicht, wo sich die verstreuten ukrainischen Stellungen befanden. Die Ukrainer hingegen ließen sich von lokalen Anwohnern informieren, wenn die Russen in ihren Dörfern auftauchten. Spezialeinheiten und Drohnen machten dann die Ziele für die ukrainische Artillerie ausfindig.

„Was sie tötete, war unsere Artillerie“

Ein Berater des Kommandeurs der Ukrainischen Streitkräfte wird in der Studie zitiert: „Panzerabwehrraketen haben den russischen Vormarsch verlangsamt. Doch was sie tötete, war unsere Artillerie. Das war es, was ihre Einheiten zerstörte.“ Auch als sich die russischen Truppen aus der Region zurückzogen, wurden sie noch einem vernichtenden und anhaltenden Sperrfeuer ausgesetzt.

Debakel Nummer 4: Das Nachschub-Problem

Schon während der ersten russischen Offensive waren die Nachschub-Probleme von Putins Truppen ein großes Thema. Die russischen Einheiten konnten nicht wie sonst die Eisenbahn nutzen, um Essen und Benzin heranzuschaffen. Dies lag unter anderem auch daran, dass Saboteure in Belarus und in der Ukraine Eisenbahnstrecken zerstörten und eine Nutzung unmöglich machten.

Die Staus auf den Straßen machten es quasi unmöglich, die Front mit genügend Nachschub zu beliefern. Dies senkte vor allem auch die Moral der Kämpfer, die sich dem erbitterten Widerstand der Ukrainer entgegen sahen.

Das Nachschub-Problem betraf auch die Kommunikation

Mindestens genauso wichtig: Den Russen gelang es nicht, Equipment ins Land zu bringen, um die Kommunikation des Feindes zu stören, ohne dabei auch selbst betroffen zu sein. So wurde es schwierig, die Verwirrung in den eigenen Reihen zu lösen. Folglich wurde die Störung von Radar und Kommunikation beendet. Was es dem Feind leichter machte, sich zu verteidigen.

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Gleichzeitig wurden wichtige Kommandeure an die Front geschickt, statt aus dem Hintergrund den Angriff zu orchestrieren. So wurden sie zur Zielscheibe von Scharfschützen. In dieser Zeit verloren viele hochrangige russische Militärs ihr Leben.

In der Folge setzte Russland zwar den Angriff auf Kiew fort. Doch die Truppen waren bereits geschwächt und die Moral der Ukrainer gestärkt. Russland versuchte die Hauptstadt einzukesseln, geriet damit aber zu nahe an die ukrainische Artillerie und verlor noch mehr Soldaten. Am Ende wurden sie selbst aus den eroberten Orten zurückgedrängt.

Die Kehrseite des russischen Debakels rund um Kiew

Die beiden Kriegsforscher kommen in ihrer Studie zu dem Ergebnis, dass die Ukraine der Verteidigung von Kiew alles unterordnete. Sie waren auch deshalb dort erfolgreich, weil sie Kämpfer und Material aus anderen Regionen abzogen.

Die Folge: Die Ukrainer schwächten ihre eigenen Positionen yên ổn Osten und Süden, beispielsweise in der Region um Mariupol. Ein hochrangiger ukrainischer Planer stellte vor der Invasion bereits fest: „Wir haben dort nichts, um sie zu stoppen. Sie werden viel Boden gewinnen.“

Die Verteidiger von Mariupol und auch anderer ukrainischer Städte yên Osten übertrafen die Hoffnungen des Generalstabs bei weitem. Dennoch ist Mariupol mittlerweile beinahe von Russland eingenommen worden. Ein Schicksal, das Kiew erspart blieb.

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Die Ukraine beklagt etliche Tote und Verletzte nach Kämpfen yên ổn Land. Die ukrainische Regierung Beobachtet die Lage lặng "Brückenkopf" Transnistrien genau. Russische Truppen lösen mehrere Demonstrationen gewaltsam auf. Alle Neuigkeiten zum Angriff auf die Ukraine finden Sie hier yên ổn Ticker.

Die Ukraine hat zehn russische Kriegsverbrecher aus Butscha identifiziert. Sie sollen einer Spezialeinheit angehören. Die USA planen derweil eine riesige Militärhilfe für die Ukraine. Alle Stimmen und Entwicklungen zum Ukraine-Krieg lặng Ticker.

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Seit Beginn des Ukraine-Kriegs häufen sich die Meldungen über mutmaßliche Suizide russischer Oligarchen. Dabei weist der Großteil der Fälle merkwürdige Parallelen auf. Was alle Todesfälle gemein haben: Die Umstände sind nach wie vor ungeklärt – und äußerst fragwürdig.