Medizinische Kompressionsstrümpfe, die nach einer Thrombose verordnet werden, sollen vor einem postthrombotischen Syndrom (PTS) als Folge des tiefen Beinvenenverschlusses schützen. Weil die Venenklappen durch die Thrombose geschädigt oder zerstört sind, entwickeln zwischen 20 und một nửa der Patienten nach einer tiefen Venenthrombose (TVT) das schmerzhafte Syndrom mit Schweregefühl yên Bein, Ödem oder einem Ulcus cruris. Studien hatten nachgewiesen, dass die Kompression die Wahrscheinlichkeit für ein PTS nahezu halbieren kann <1,2>. Seit Jahrzehnten werden sie daher verordnet.

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Doch kanadische Wissenschaftler um Dr. Susan Kahn kommen nun in einer yên ổn Lancet publizierten Studie zu dem Schluss: „Medizinische Kompressionsstrümpfe sind wirkungslos.“ <3>. Kahn, Epidemiologin am Centre for Clinical Epidemiology am Jewish General Hospital in Montreal, hatte die Anwendung von Kompressionsstrümpfen über 2 Jahre mit Placebostrümpfen verglichen.


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Prof. Dr. Knut Kröger

Richtige Anwendung und Compliance entscheidend

„Beim medizinischen Kompressionsstrumpf spielen der richtige Sitz, die exakte Anwendung und natürlich die Compliance des Patienten eine entscheidende Rolle“, stellt Prof. Dr. Knut Kröger, Direktor der Klinik für Angiologie am interdisziplinären Gefäßzentrum am Helios Klinikum Krefeld klar. „Die Compliance aber wurde in der Studie praktisch nicht überprüft“, erklärt er lặng Gespräch mit fkhorizont-turnovo.com fkhorizont-turnovo.comland.

Kröger betont, dass es sich bei medizinischen Kompressionsstrümpfen nicht um einfache Kleidungsstücke, sondern um hochentwickelte Medizinprodukte handele. Ihre Anwendung erfolge nur nach Verordnung durch einen Arzt mit einer gezielten medizinischen Indikation. „Obwohl die indikationsgerechte Anwendung dieser Medizinprodukte in der Hand des Arztes liegt, gehört die Beschäftigung mit diesen Hilfsmitteln nicht zur allgemeinen ärztlichen Ausbildung und nur wenige fachärztliche Weiterbildungen vertiefen das Verständnis für die Strümpfe. So ist die Kenntnis über diese Medizinprodukte unter Medizinern eher gering“, ist Krögers Erfahrung.


„Beim medizinischen Kompressionsstrumpf spielen der richtige Sitz, die exakte Anwendung und natürlich die Compliance des Patienten eine entscheidende Rolle.“ Prof. Dr. Knut Kröger

Verordnungspraxis in Frage gestellt?

Kahn hatte in einer doppelblinden randomisiert placebo-kontrollierten Studie rund 800 Patienten mit Beinvenenthrombosen über einen Zeitraum von 2 Jahren untersucht. Die eine Gruppe erhielt medizinische Kompressionsstrümpfe (ECS, elastic compression stockings), die einen Druck von mindestens 30–40 mmHg ausüben, die anderen Probanden hingegen Schein-Kompressionsstrümpfe, die mit 5 mmHg nur einen unwirksamen Druck leisten. Einen Unterschied machte das nicht. Am Ende des Untersuchungszeitraums waren postthrombotische Syndrome in beiden Patientengruppen gleich häufig aufgetreten, in der Gruppe mit den echten Kompressionsstrümpfen sogar etwas häufiger (14,2% vs 12,7%).

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass das Tragen von ECS das Auftreten des PTS über einen Zeitraum von 2 Jahren nach vorhergehender TVT yên ổn Vergleich zu Placebo nicht senken kann“, bilanziert Kahn. Für Kahn steht mit diesen Ergebnissen auch die Verordnungspraxis für medizinische Kompressionsstrümpfe in Frage, zumal sie von vielen Patienten ungern oder gar nicht getragen werden. Die Studienautoren schreiben, dass die Patienten „dazu angehalten wurden, ihre Strümpfe von morgens bis abends zu tragen“. Nach 1, 6, 12, 18 und 24 Monaten wurden die Probanden einbestellt. Die Tragehäufigkeit wurde in beiden Gruppen dokumentiert, basierte allerdings ausschließlich auf Selbstauskünften der Patienten.

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Verklebte Venenklappen nicht zu verhindern – Ulcera schon

„Das Problem ist, dass das Tragen der Strümpfe im Studiendesign nicht kontrolliert wurde. Wir wissen also nicht wirklich, ob die Leute die Strümpfe auch getragen oder das nur behauptet haben“, wendet Kröger ein. Die Führung durch den Arzt aber spiele beim Erfolg der Methode eine große Rolle: „Der Strumpf muss richtig angepasst werden. Dann muss das richtige Anziehen des Strumpfs gezeigt werden. Ich lasse den Patienten noch einmal mit dem Strumpf vorbeikommen und kontrolliere ob er auch richtig sitzt“, berichtet Kröger.


„Wir wissen also nicht wirklich, ob die Leute die Strümpfe auch getragen oder das nur behauptet haben.“ Prof. Dr. Knut Kröger

Die Definition „Verhinderung von postthrombotischen Syndromen“ wie in der Studie als Endpunkt ausgewiesen, findet Kröger wenig aussagekräftig. Beim mobilen Patienten mit venöser Insuffizienz ist die Wadenmuskelpumpe zwar grundsätzlich aktiv, aber der venöse Klappenapparat gestört. Die Folge ist eine venöse Hypertonie mit Ödembildung und dem daraus resultierenden Gewebeumbau. „Deshalb finden wir bei diesen Patienten yên ổn Ultraschall verklebte Venenklappen. Das verhindert der Strumpf nicht und er kann das auch nicht verhindern, aber das Tragen des Kompressionsstrumpfs verhindert die Entstehung eines Ulcus“, stellt Kröger klar.

Denn Aufgabe der Kompressionsstrümpfe ist die Ödemprotektion durch Unterstützung der Wadenmuskelpumpe. Früher seien Ulcera noch häufig gewesen. „Doch außer bei Patienten, die deutlich übergewichtig sind, oder bei Patienten mit schlechter Compliance habe ich seit Jahren kein Ulcus mehr gesehen, das sich innerhalb von zwei Jahren nach der TVT entwickelt hat “, erklärt Kröger.


„Dann kann es natürlich passieren, dass die Strümpfe weniger rezeptiert werden.“ Prof. Dr. Knut Kröger

Bei guter Compliance sind die Strümpfe wirksam

Auch Dr. Arina J. Ten Cate-Hoek vom Department of Internal Medicine & Cardiovascular Research der Universität Maastricht, Niederlande, hat in ihrem Editorial einige kritische Anmerkungen: „Die Hauptfrage ist: Haben uns Kahn und Kollegen eine definitive Antwort hinsichtlich des Nutzens der ESC zur Prävention des postthrombotischen Syndroms (PTS) gegeben?“ <4>

Obwohl es sich um die größte und bislang einzig Placebo-kontrollierte Studie dazu handele, blieben Fragen offen: „Wie wirken sich die individuellen Beiträge zum Placebo-Effekt aus auf die Effektivität der Methode aus? Welchen Einfluss hat die suboptimale Compliance? Und wie beeinflussen Patientencharakteristika die Wirksamkeit?“

Ten Cate-Hoek gibt den Strümpfen durchaus eine Chance: Konsequent getragen hätten die Kompressionsstrümpfe durchaus eine vorbeugende Wirkung. Sie führt derzeit eine ähnliche Untersuchung durch. Die Ergebnisse werden allerdings erst năm nhâm thìn vorliegen.

Die Studienergebnisse von Kahn und Kollegen werden in die S3-Leitlinien einfließen. „Dann kann es natürlich passieren, dass die Strümpfe weniger rezeptiert werden“, prognostiziert Kröger.