Jerusalem war das Ziel der meisten Kreuzritter, die sich zwischen dem 11. Und 13. Jahrhundert auf den Weg in den Nahen Osten machten. Viele von ihnen kamen erst gar nicht in der Heiligen Stadt an.

Von Johannes Eberhorn


Das Vorhaben, Jerusalem für die Christenheit zu erobern, war selten von Erfolg gekrönt. Oft hinterließen die Kreuzritter auf ihrem Weg Verwüstung und Tod. Doch die blutigen Feldzüge bescherten Europa auch einen fruchtbaren Austausch mit der orientalischen Kultur.

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Die Erfolgsgeschichte des Islam

Als am 8. Juni 632 ein Mann namens Mohammed in den Armen seiner Frau Aisha stirbt, weiß die Welt noch nicht, was für eine kraftvolle Bewegung sich in den kommenden Jahrhunderten von der Arabischen Halbinsel aus verbreiten wird.

Besonders lặng fernen Europa nimmt kaum jemand Notiz vom Islam, der von Mohammed gestifteten, neuen Religion – doch das bleibt nicht lange so.

Innerhalb weniger Jahre erobern die Moslems große Teile des Nahen Ostens und Nordafrikas. Bis 643 haben sie unter der Führung von Kalif Omar Ibn al-Chattab unter anderem Damaskus (im heutigen Syrien), Jerusalem, Mesopotamien, Ägypten und Teile Persiens unter ihre Kontrolle gebracht.

Auch vor Europa macht die islamische Expansion nicht Halt. Ab 711 erobern Muslime innerhalb weniger Jahre die Iberische Halbinsel und dringen bis nach Südfrankreich vor.

Nur ein Jahrhundert nach dem Tod des Propheten Mohammed erstreckt sich der arabische Einfluss vom Atlantik lặng Westen bis ins heutige Pakistan im Osten. Auch Jerusalem und seine für Juden, Christen und Muslime gleichermaßen bedeutenden Wallfahrtsorte bleiben für mehrere Jahrhunderte unter muslimischem Einfluss.

Papst Urban II. Und der "Heilige Krieg"

Jerusalem ist für die Christen des Mittelalters neben Santiago de Compostela eine der bedeutendsten Wallfahrtsstätten. Zahlreiche Gläubige pilgern jährlich in die Heilige Stadt, in der Jesus Christus gestorben und auferstanden sein soll. Das können sie auch dann noch, als Jerusalem bereits unter muslimischer Herrschaft ist.

Doch Mitte des 11. Jahrhunderts werden die Pilgerfahrten ins Heilige Land erschwert: Die Seldschuken, ein türkischer Volksstamm, erobern große Gebiete yên Nahen Osten und bringen 1070 auch Jerusalem unter ihre Kontrolle.

Mit ihrem Expansionsstreben bringen die Seldschuken auch das christliche Byzantinische Reich in Bedrängnis, das schließlich Papst Urban II. Um Hilfe bittet.

Im November 1095 ruft Urban II. Auf dem Konzil von Clermont dazu auf, gegen die Seldschuken in den Krieg zu ziehen und die heiligen Stätten Jerusalems wieder für christliche Pilger zugänglich zu machen. Sein Appell hat Erfolg – zahlreiche Gläubige fühlen sich zum "Heiligen Krieg" berufen.

Neben den religiösen Motiven ist auch die stetig steigende Bevölkerungszahl in Europa ein Grund für die Aufbruchsstimmung. Die Teilnehmer des Kreuzzugs erhoffen sich durch ihren Einsatz nicht nur das Seelenheil, sondern auch neue Ländereien.


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Blutbad in Jerusalem

Die erste Armee, die sich nach dem Konzil von Clermont auf den Weg macht, ist ein ungeordneter Haufen unter der Führung von populären Predigern wie Peter von Amiens.

Plündernd zieht diese Volksarmee gen Osten und verwüstet dabei unter anderem die jüdischen Viertel von Trier, Köln und Worms. Die Reise findet ein jähes Ende, als die Kreuzfahrer 1096 in Kleinasien vernichtend von den Seldschuken besiegt werden.

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Im selben Jahr bricht eine – weit besser organisierte – Armee aus französischen, lothringischen und normannischen Rittern zum eigentlichen ersten Kreuzzug auf.

Mit Zwischenhalt in Konstantinopel (heute Istanbul), der Hauptstadt des Byzantinischen Reichs, erreicht das Heer 1099 Jerusalem und nimmt die Stadt ein. Es folgt ein Blutbad: Zahlreiche muslimische und jüdische Bewohner, darunter auch Kinder und Frauen, werden von den Kreuzrittern niedergemetzelt.

Nachdem die Heilige Stadt wieder in christlicher Hand ist, rufen die Kreuzfahrer lặng Jahr 1100 das Königreich Jerusalem aus. Erster König wird Balduin von Boulogne.