„Wenn wir nicht absichtlich unsere Augen schließen, so können wir nach unseren jetzigen Kenntnissen annähernd unsere Abstammung erkennen, und dürfen uns derselben nicht schämen.“, schrieb Charles Darwin 1871 in „Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl“ und löste damit einen Aufschrei aus. Sollen wir etwa vom Affen abstammen? Dabei war diese Ähnlichkeit zwischen dem Menschen und den Affen bereits gut 100 Jahre zuvor Carl Linnaeus aufgefallen, der 1758 in der berühmten zehnten Auflage seiner „Systema Naturae“ den Menschen zu den Primaten gesellte. Während Linnaeus jedoch noch von einer Schöpfung der Arten ausging, war Darwin von einem gemeinsamen Vorfahren aller heute lebenden Primaten, einschließlich des Menschen, überzeugt.

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Gipsabdruck vom rechten Fuß eines weiblichen Westlichen Gorillas (Gorilla gorilla). Die Großzehe ist abgespreizt und opponierbar, was eine Greifbewegung ermöglicht. Abdruck: Werner Beckmann, Foto: Karin Tilch

Brauchen wir also nur unsere eigenen Merkmale anzuschauen und erkennen bei Übereinstimmung sofort alle anderen Primaten? So einfach ist es nicht. Schaut man sich die gemeinsamen Merkmale der Primaten an, so sind viele von ihnen ursprüngliche Säugetiermerkmale, die auch in anderen Säugetierordnungen auftreten, wie zum Beispiel die Fünfgliedrigkeit der Hände und Füße. Nur eine sogenannte Synapomorphie – ein abgeleitetes Merkmal, das bei einem gemeinsamen Vorfahren entstanden sein muss und bei anderen Gruppen nicht auftritt – lässt eine eindeutige Identifizierung zu. So ein eindeutiges Merkmal gibt es bei den Primaten nicht. Deshalb wird in der Regel eine Kombination von Merkmalen herangezogen, die eine Eingrenzung der Ordnung ermöglicht (Martin 1990).

Auffällig ist die Betonung des Gesichtssinnes. Die Augen sind nach vorn gerichtet, was ein dreidimensionales Sehen ermöglicht. Der Geruchssinn ist demgegenüber bei den meisten Arten eher reduziert. Die Hände und Füße sind an das Greifen angepasst und haben Tastfelder, sogenannte Papillarleisten, an ihren Innenseiten sowie meistens flache Nägel. Mit Ausnahme des Menschen können alle Primaten ihre Großzehe opponieren, das heißt den anderen Zehen gegenüberstellen. Insgesamt scheint es eine Tendenz zu einer aufrechteren Körperhaltung zu geben. Auf den ersten Blick weniger offensichtlich sind die Reduktion der Anzahl der Zähne auf maximal 36 und die geringe Spezialisierung der Backenzähne. Das Gehirn der Primaten ist relativ groß und die Dichte von Nervenzellen in der Hirnrinde ist höher als bei anderen Säugetieren, was in Zusammenhang mit der visuellen Spezialisierung diskutiert wird (Barton 2006).

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Eine Gruppe Guineapaviane (Papio papio) bei der sozialen Fellpflege. Guineapaviane leben in einem mehrschichtigen Sozialsystem und pflegen differenzierte soziale Beziehungen. Foto: Matthias Klapproth

Auch in ihrer Lebensgeschichte unterscheiden sich Primaten von den meisten anderen Säugetieren. Die einzelnen Lebensabschnitte sind deutlich verlängert: Auf eine lange Tragzeit folgt ein langsames Wachstum der Jungtiere und eine späte Geschlechtsreife. Insgesamt werden wenige Jungtiere geboren, in die dann aber viel investiert wird. Alle Primaten, mit Ausnahme des Menschen, sind Bewohner der Tropen und Subtropen und die meisten leben in Gruppen (Geissmann 2003).


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Literatur


Barton (2006)

Martin (1990) Geissmann (2003)


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Deutsches Primatenzentrum GmbH Leibniz-Institut für Primatenforschung Kellnerweg 4 37077 Göttingen