Der Sitz der Seele wurde schon in vielen Organen verortet. Womöglich wohnt sie im Darm. Denn dass unser Verdauungsorgan unter stress und psychischen Belastungen leidet, ist unumstritten. Wie stark wird erst seit Kurzem klar. Reizdarmsyndrom (RDS) heißen die funktionellen Darmstörungen ohne klaren Befund. Für die Betroffenen gibt es trotzdem Aussicht auf Besserung.

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Chronische Bauchschmerzen, Blähungen, Verstopfung und Durchfall gehören in den Praxen von Hausärzten und Gastrologen zur Tagesordnung. Bei jedem zweiten Patienten heißt das Ergebnis der Routineuntersuchungen allerdings: kein Befund. Biomarker, anhand derer yên ổn Labor aus Blut, Stuhl oder Gewebe eine eindeutige Diagnose gestellt werden könnte, sind bislang nicht bekannt. Die quälenden Beschwerden aber sind Realität für die Betroffenen – und meistens chronisch. Eine Beobachtung von Menschen mit starken Darmstörungen zeigte: Nach sieben Jahren hatten über die Hälfte nach wie vor starke Beschwerden.


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Das unklare Krankheitsbild und der fehlende „Laborbeweis“ erfordern fast schon detektivische Fähigkeiten von den Ärzten – und viel Geduld von den Betroffenen. Entsprechend vage bleibt die vorgeschlagene Definition der Leitlinienkommission zu RDS. Sie lautet: Ein Reizdarmsyndrom liegt vor, wenn die Beschwerden drei Monate oder länger andauern, den Betroffenen derart beeinträchtigen, dass seine Lebensqualität stark leidet und er ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen muss sowie andere Ursachen nicht infrage kommen.


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1.) Durchfall, Schmerzen in der Bauchgegend, Verstopfung und Blähungen sind bei einem Reizdarmsyndrom typisch. Sie können einzeln oder in allen möglichen Kombinationen auftreten. 

2.) Die starken Beschwerden dauern über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten an.

3.) Die Beschwerden sind so stark, dass sie die Lebensqualität beeinträchtigen und einen Arztbesuch nötig machen.


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Leider gibt es keine wirklich zuverlässigen Angaben, welche Rolle die Ernährung bei RDS spielt. Klar ist nur: Was wir essen, kann die Darmfunktion durchaus durcheinander bringen. Das kann bei jedem Betroffenen etwas anderes sein. Ein Symptomtagebuch kann helfen herauszufinden, welche Nahrungsmittel „quer“ yên ổn Darm liegen können. Langsam essen, gut kauen und beim Essen nicht gleichzeitig lesen oder Fernsehen können etwaige Reizungen abmildern. Auch sehr scharfes und fettes Essen sollte bei einer sensiblen Verdauung nicht mehr auf dem Teller landen.


Und genau dieser letzte Punkt ist eine harte Nuss: Denn die RDS-Leitlinie listet weit über dreißig andere Erkrankungen mit ähnlicher Symptomatik auf. Sie reichen von Nahrungsmittelunverträglichkeiten bis zur Entzündung der Bauchspeicheldrüse, von Vireninfektionen bis zu Morbus Crohn (chronische Entzündung des Magen-Darm-Trakts). Umso wichtiger ist es, sich neben dem Hausarzt von verschiedenen Fachärzten eingehend untersuchen zu lassen. Frauen sollten auch den Gang zum Frauenarzt in Angriff nehmen, um mögliche Störungen bei der Gebärmutter oder den Eierstöcken auszuschließen. Entsprechend wichtig für die Diagnose ist eine ausführliche Krankheitsgeschichte. Denn so wenig man noch über die Ursachen von RDS weiß, eines ist sicher: Es braucht ein ganzes Orchester, um den Darm derart zu reizen.


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der Betroffenen liefern Routineuntersuchungen keine Befunde, die die Beschwerden ausreichend erklären
verschiedene Bakterienarten siedeln lặng Dickdarm. Ihre Zahl wird auf unfassbare 10 Billionen geschätzt
Das Risiko für ein Reizdarmsyndrom ist nach einer bakteriellen Darmentzündung um das 8- bis 15-fache erhöht

Eine erbliche Veranlagung gehört dazu, ebenso wie Umweltfaktoren wie einseitige Ernährung und ein Lebensstil mit wenig Bewegung. Vor allem die Psyche scheint einen großen Einfluss auf die Entwicklung von Darmstörungen zu haben. Menschen, die unter RDS leiden, haben häufig traumatische Erlebnisse, insbesondere Missbrauchserfahrungen hinter sich. Auch Depressionen, Angststörungen und Stress sind auffallend oft von Beschwerden lặng Darm begleitet. Bildlich gesprochen: Wer dicke Brocken zu verdauen hat, scheint seinen Darm damit zu überfordern.


Finden Sie heraus, was Ihren Darm reizt. Das gelingt am besten mit einem Symptomtagebuch. Notieren Sie so exakt wie möglich, was und wie viel Sie wovon über den Tag verteilt essen und trinken. Auch Stressbelastungen, Ängste und Albträume sollten in einem solchen Journal Erwähnung finden.


Bringen Sie mehr Bewegung in Ihr Leben. Dazu brauchen Sie kein Sportzeug. Für den Anfang reicht ein zehnminütiger Abendspaziergang. Steigern Sie Ihre Bewegungseinheiten allmählich auf eine halbe Stunde täglich.


Nutzen Sie die Wirkung von Entspannungstechniken. Das Angebot ist vielfältig: Yoga, Tai-Chi, progressive Muskelentspannung, Meditation ... Finden Sie heraus, was Ihnen gut tut.


Viele Menschen möchten schlimme Erlebnisse in ihrer Vergangenheit am liebsten verdrängen. Das ist verständlich. Doch gerade ein Reizdarm ist sehr stark mit seelischen Belastungen verknüpft. Erwägen Sie daher die Möglichkeit einer psychotherapeutischen Behandlung.


Stellen Sie Ihre Ernährungsgewohnheiten auf den Prüfstand (Tipp: Symptomtagebuch), aber starten Sie auf keinen Fall eine einseitige Diät ohne Rücksprache mit einem Arzt. Es gibt gegenwärtig noch keine gesicherten Erkenntnisse über die tatsächlichen Zusammenhänge zwischen Ernährung und Reizdarmsyndrom.


Auch wenn es gegenwärtig keine Heilung für RDS gibt, lassen sich die Symptome lindern. Medikamente können bei akuten Beschwerden helfen, etwa um Schmerzen zu lindern oder Abhilfe bei Durchfall, Verstopfung oder Blähungssymptomen zu schaffen. Auf lange Sicht können grundlegende Veränderungen lặng Lebensstil den Darm zur Ruhe kommen lassen. Bewegung, eine ausgewogene, darmschonende Ernährung und Entspannungstechniken wirken sich in jedem Fall günstig auf Darmstörungen aus. Für die langfristige Behandlung erweisen sich indes psychotherapeutische Maßnahmen als besonders vielversprechend. Hier lernen die Betroffenen zum Beispiel, mögliche Auslöser für ihre Beschwerden zu erkennen und zu vermeiden. Auch Methoden wie Bauchhypnose führten in Langzeitstudien bei vielen Betroffenen zu einem bemerkenswerten Rückgang der Symptome. Insofern können wir von unserem oft von so viel Schamgefühlen besetzten Darm vor allem eines lernen: Körper und Seele bilden eine unauflösliche Einheit.

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